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Leinenführigkeit


Gibt es etwas Schöneres als einen Hund, der ganz locker und aufmerksam neben uns an der Leine läuft? Kein Ziehen oder Zerren, weder nach hinten noch nach vorne. Für viele Hundehalter ist das leider nur ein Traum. Und nur allzu oft wird der entspannte Spaziergang mit dem Vierbeiner zum frustrierenden Albtraum. Die verschiedensten Szenarien sind hier traurige Realität zum Leidwesen aller Beteiligten. 

Schon ab dem Einklinken der Leine geht für viele der Spießrutenlauf los. Hechelnd und sich selbst strangulierend zieht der geliebte Waldi seinen verzweifelten Besitzer hinter sich her und dieser versucht vergeblich, die Situation täglich aufs Neue in den Griff zu kriegen. Auch hier gibt es die verschiedensten Hausmittel von „Du musst sofort die Richtung wechseln, wenn er zieht“ über „Du musst ihm mal einen richtigen Ruck geben, dass es ihn rückwärts überschlägt“ bis zu „Schlechtes Verhalten muss man einfach ignorieren“. Zurück bleibt ein völlig ratloser Hundehalter, der täglich wieder mit seiner Frustration konfrontiert wird. 

Aber gehen wir zum Anfang, warum ist Leinenführigkeit, obwohl sie so leicht aussieht, so schwierig und warum ist sie so verdammt wichtig? Die Leine ist grundsätzlich einfach eine Verbindung zwischen Hund und Mensch. Ein Kommunikationsmittel, eine Hilfe, eine Sicherheit, kein Erziehungs- oder Bestrafungsmittel. Sie ist so wichtig, denn sie erleichtert unser Leben mit dem Hund in bestimmten Situationen ungemein.  

Immer dann, wenn wir die Umwelt vor unserem Hund und seinem Verhalten schützen möchten oder andersrum, unseren Hund vor der Umwelt und ihren Gefahren bewahren wollen. Auch wenn wir wissen, unser Hund ist noch nie über die Straße oder einfach vom Gehweg gelaufen, sollte unser gesunder Menschenverstand uns sagen, dass man an einer Straße immer an der Leine geht. 

Dann gibt es noch Sondersituationen wie Brut und Setzzeiten, man ist in Urlaub auf ungewohntem Terrain oder der Hund ist krank und muss ruhig an der Leine gehen. Die Liste ist lang. Bei unsicheren und ängstlichen Hunden ist die Leinenführigkeit doppelt wichtig und absolut unverzichtbar. Der Sicherheitsaspekt hat hier absolute Priorität. 

Die Leinenführigkeit ist im Gegensatz zu anderen Grundkommandos sehr komplex und von verschiedenen Faktoren geprägt. Das macht diese Übung so anspruchsvoll und auch herausfordernd. Faktoren, die uns hier maßgeblich beeinflussen, sind unter anderem Tempo und Erregung, Laufmuster, Leinenlänge, Strecke, Ablenkung, Ort und Art der Belohnung. 

Wichtig ist auch, die Leinenführigkeit nicht mit dem „Fuß gehen“ zu verwechseln. Das sind zwei völlig verschiedene paar Stiefel. Das „Fuß“ ist für den Hund eine zeitlich sehr begrenzte Übung, die alle Aufmerksamkeit erfordert und dann auch wieder beendet wird. An der Leine gehen kann an bestimmten Orten situationsbedingt länger dauern. Wenn es dann nicht systematisch gut aufgebaut wurde, führt es schnell zu schlechter Laune auf beiden Seiten. 

An der Leine gehen bedeutet, dass der Hunde im Leinenradius weiter seine Freiheit hat. Solange der Karabiner locker durchhängt, darf der Hund sich in seinem Tempo und seiner Richtung bewegen. Der Mensch gibt die Leinenlänge, also den Aktionsradius vor – sie bestimmt die Aktion.

Wenn wir von unseren Hunden erwarten, dass sie sich uns gegenüber achtsam benehmen, müssen wir ihnen das vorleben. Sei achtsam und versuche eine vorausschauende und zuverlässige Bezugsperson zu sein an der Leine. Interagiere bewusst mit deinem Hund, während du ihn an der Leine führst und kündige deine Vorhaben klar an, Hunde lesen uns permanent und bewerten unsere Körpersprache, auch während des Spaziergangs.

Gestalte das Leineführigkeitstraining abwechslungsreich statt starr und verbissen. Gib deinem Hund Zeit zu schnuppern und belohne ihn im richtigen Moment, wenn er gut „mitläuft“ und Freude zeigt am Miteinander mit dir. Gestalte dein Training so, dass dein Hund oft Lerngelegenheit hat und ihr beide nicht den Spaß verliert. 

Die Belohnung mit einem ausgeglichenen Hund, der locker an der Leine läuft, ist einfach ein Geschenk und bereichert unseren Alltag ungemein.

 

Wie denkt ihr über das Thema Leinenführigkeit? Schreibt es gerne in die Kommentare! 

 

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